Windkraft mit Augenmaß: Schutz von Natur, Landschaft und Vogelwelt im Fokus

Eine Energiewende mit Augenmaß, das ist eine der größten Aufgaben. Doch das Gebot unserer Zeit muss sein, dass „grüner Strom“ nicht zulasten von Natur- und Artenschutz geht. Brandenburg zeigt aktuell mit einem gezielten Windkraft-Moratorium, wie dieser Balanceakt gelingen kann, indem der Ausbau in geordnete Bahnen gelenkt wird. Gleichzeitig zeigen Insolvenzen in der Windenergiebranche nach wirtschaftlich fetten und risikolosen Jahren, dass es nicht mehr so weitergehen kann wie bisher. Wie hängen diese Entwicklungen zusammen, und warum ist Sorgfalt wichtiger als reine Schnelligkeit, um hohe Gewinne zu erzielen?

Schutz für Natur und Heimat: Brandenburg setzt auf Qualität statt Wildwuchs. Wäre das nicht auch eine Möglichkeit für Schleswig Holstein?

Der Brandenburger Landtag hat ein wichtiges Zeichen für den behutsamen Umgang mit unseren Kulturlandschaften gesetzt. Bis Ende Januar 2027 gilt in drei der fünf Planungsregionen (Prignitz-Oberhavel, Lausitz-Spreewald und Oderland-Spree) ein Windkraft-Moratorium. Neue Anlagen werden vorerst ausschließlich in dafür ausgewiesenen Vorranggebieten genehmigt, siehe diesen Beitrag:

Diese Maßnahme ist kein genereller Ausbaustopp, sondern eine bewusste Atempause zum Schutz von Mensch und Umwelt: Die Bürgerinitiative zum Windpark Osterholm im Landkreis Schleswig-Flensburg hat dazu ein Dossier verfasst, das hier zu finden ist.

Schutz von Natur und Landschaft: Die Regelung verhindert einen ungesteuerten „Wildwuchs“ von Windrädern in sensiblen Naturräumen, Wäldern oder historisch gewachsenen Landschaften.

Geordnete Regionalplanung: Die Kommunen und Planungsregionen erhalten die nötige Zeit, um feste Zonen zu definieren, die Rücksicht auf Anwohner, den Denkmalschutz und wichtige Ökosysteme nehmen.

Infrastruktur im Einklang: Der Ausbau wird mit dem Tempo des Stromnetzbaus synchronisiert. So wird verhindert, dass Anlagen in die Landschaft gebaut werden, die mangels Leitungen gar keinen Strom einspeisen können.

Wie wichtig planerische Sorgfalt und der Schutz sensibler Ökosysteme sind, zeigt ein Blick auf regionsübergreifende Bemühungen im Vogelschutz – wie im Bereich des Duvenseer Moores, direkt vor unserer Haustür. Als bedeutendes Rastgebiet, Brutbiotop und Zugvogelkorridor (beispielsweise für bedrohte Wiesenbrüter und Großvögel wie Kranich und Seeadler) verdeutlicht unsere Region exemplarisch, welche Gefahren ein ungesteuerter Windkraftausbau birgt.

Durch die Wiedervernässung und die engagierte Arbeit vor Ort wurde und wird das Moor gezielt als sicherer Rückzugsraum für die Tierwelt entwickelt. Würden Windkraftanlagen unkontrolliert und ohne strenge Abstands- oder Ausschlusskriterien zu solchen Schutzgebieten errichtet, drohen erhebliche Konflikte durch Kollisionsrisiken und die Zerschneidung wichtiger Flugrouten. Diese Tatsachen werden jedoch von der aktuellen Landesplanung ignoriert. Die derzeitigen politischen Planungen stellen eben nicht sicher, dass ein wertvoller Naturraum wie das Duvenseer Moor und die dortigen Bemühungen für den Vogelschutz nicht durch wirtschaftliche Interessen und den damit verbundenen Zeitdruck  gefährdet werden.

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht

Parallel zu diesen planerischen Leitplanken erlebt die Windkraftbranche eine wirtschaftliche Phase des Umbruchs. Einige Insolvenzen von Projektentwicklern und Zulieferern haben für Schlagzeilen in jüngerer Zeit gesorgt. Sogar die Servicegesellschaft des Bundesverbandes der Windindustrie (BWE) und größtem Lobbyisten des Landes ist pleite. Entsprechende Artikel gibt es hier, hier und hier.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die Zeiten der risikolosen Selbstbedienung durch das „Abgreifen“ staatlicher Fördergelder sich dem Ende zuneigen.  Die Folgen globaler Entwicklungen und Faktoren machen eben auch nicht vor der Windbranche halt.

Gestiegene Finanzierungskosten: Die weltweite Zinswende hat die Kapitalbeschaffung für Großprojekte verteuert. Nur wirtschaftlich extrem solide aufgestellte Unternehmen können diese Phase problemlos überbrücken.

Globale Lieferketten und Rohstoffpreise: Massiv gestiegene Preise für Stahl, Kupfer und Logistik haben die Margen der Hersteller vorübergehend stark unter Druck gesetzt.

Konsolidierung des Marktes: Wie in jeder jungen Industrie führt starkes Wachstum irgendwann zu einer Bereinigung. Die aktuellen Pleiten zeigen, dass sich der Markt hin zu stabileren, krisenfesten Akteuren verändert, die auch langfristig verlässliche Partner für Kommunen sind.

Aktuell (09.09.2026) melden die Lübecker Nachrichten, dass der Solarpark-Betreiber und Entwickler "Enerparc AG" insolvent ist. Das ist bemerkenswert, weil das Unternehmen zu den größeren der Branche gehört. Wohlgemerkt: Die von Ministerin Reiche geplante Novelle des EEG ist noch nicht in Kraft. Es steht zu vermuten, dass die unanständig hohen Pachtzahlungen an die Grundeigentümer das Unternehmen in die Knie zwingt. Die Mär vom ewigen Geldfluss in einem völlig risikolosen Geschäftsmodell beginnt zu bröckeln. Es ist absehbar, dass weitere Pleiten folgen werden. Den LN-Artikel gibt's hier:

Das Brandenburger Moratorium und Initiativen wie im Duvenseer Moor zeigen, dass echter Klimaschutz den Naturschutz vor der eigenen Haustür nicht vergessen darf. Indem der Ausbau an klare Kriterien geknüpft wird, bleibt die Identität unserer Regionen geschützt. Gleichzeitig sorgt die wirtschaftliche Konsolidierung dafür, dass der künftige Ausbau von starken, krisenfesten Partnern getragen wird, und nicht von Unternehmern, die in Goldgräbermanier unter dem Vorwand der Klimarettung Gewinne „abgreifen“. So entsteht eine Energiewende, die ökologisch wertvoll, wirtschaftlich vernünftig und von der Bevölkerung getragen ist.

 

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